Der Rosenstrauch zu Hildesheim
Als Ludwig der Fromme Winters in
der Gegend von
Hildesheim jagte, verlor er sein mit Heiligthum gefülltes
Kreuz,
das ihm vor allem lieb war. Er sandte seine Diener aus, um es zu
suchen; und gelobte, an dem Orte, wo sie es finden würden,
eine
Capelle zu bauen. Die Diener verfolgten die Spur der gestrigen Jagd auf
dem Schnee, und sahen bald aus der Ferne mitten im Wald einen
grünen Rasen, und darauf einen grünenden wilden
Rosenstrauch.
Als sie ihm näher kamen, hing das verlorene Kreuz daran; sie
nahmen es und berichteten dem Kaiser, wo sie es gefunden. Alsobald
befahl Ludwig, auf der Stätte eine Capelle zu erbauen, und den
Altar dahin zu setzen, wo der Rosenstock stand. Dieses geschah, und bis
auf diese Zeiten grünt und blüht der Strauch, und
wird von
einem eigends dazu bestellten Manne gepflegt. Er hat mit seinen
Ästen und Zweigen die Rundung des Doms bis zum Dache umzogen.