Knochenhaueramtshaus

Hildesheimer Historischer Marktplatz

Der Marktplatz wurde, nach dem Alten Markt und dem Andreasplatz, erst relativ spät zum Handels- und Lebenszentrum der Stadt. Hier stellten sich in der Frühen Neuzeit Bürgerschaft und Gilden in repräsentativen Bauten dar. Als einzige von diesen überstanden Rathaus und Tempelhaus, wenn auch erheblich beschädigt, den verheerenden Bombenhagel im März 1945. Der Wiederaufbau erfolgte zunächst auch hier im Stil des Nachkriegsfunktionalismus, etwa durch ein Hotel namens „Rose“ mit Glas-Metall-Fassade. Erhalten blieb bloß der als Rolandbrunnen bekannte Marktbrunnen. Der Verlust Alt-Hildesheims blieb aber schmerzhaft bewusst. Mehrere Bürgerinitiativen propagierten in den 1980er-Jahren die Rekonstruktion des Marktplatzes und bewirkten ein Umdenken der Stadtverwaltung. In wenigen Jahren wurden das Tempelhaus, das ursprünglich aus 1598 stammende Wedekindhaus, das Knochenhaueramtshaus und das benachbarte Bäckeramthaus rekonstruiert. Der seither Historischer Marktplatz genannte Platz bietet heute wieder ein geschlossenes
Bild und ist touristischer Mittelpunkt der Stadt.

Knochenhaueramtshaus in Hildesheim

Das ursprünglich im Jahr 1529 gebaute Knochenhaueramtshaus ist das bekannteste Fachwerkhaus in Hildesheim. Es war das Gildehaus der Fleischer (Knochenhauer). Wie die Zunfthäuser der anderen Hildesheimer Handwerkervereinigungen steht das zur deutschen Renaissance zählende Gebäude am Marktplatz, gegenüber dem Rathaus. Durch die repräsentative Gestaltung der Fassade wird das Knochenhaueramtshaus gelegentlich als das schönste Fachwerkhaus der Welt bezeichnet.[1] Neben der Nutzung als Verkaufsraum wurden die Kellergewölbe als Lagerraum verwendet. Im ersten Stock wurden Sitzungen der Gilde abgehalten, und im Obergeschoss waren weitere Vorratsräume sowie Wohnungen untergebracht.

Das 26 Meter hohe Gebäude wurde bei der Bombardierung Hildesheims am 22. März 1945 vollständig zerstört. Obwohl es selbst nicht von Bomben getroffen worden war, wurde es von dem Brand erfasst, der nahezu die gesamte Innenstadt vernichtete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seit 1962 an seiner Stelle das „Hotel Rose“ nach Entwürfen des Architekten und Hochschullehrers Dieter Oesterlen (1911-1994) gebaut. Das Knochenhaueramtshaus galt vielen Hildesheimer als das Symbol Alt-Hildesheims schlechthin, und so blieb der Wunsch nach seiner Wiederherstellung stets lebendig. Die Chance dazu bot sich in den 80er Jahren, als das Hotel Rose in Konkurs ging. Im selben Zeitraum plante auch die Hildesheimer Stadtsparkasse einen Neubau ihres Hauptsitzes auf der Südseite des Marktplatzes. Die Hildesheimer nutzten diese Gelegenheit und beschlossen, den historischen Marktplatz komplett wieder aufzubauen. Im Gegensatz zu den Häusern auf der Nord- und Südseite des Platzes, von denen nur die Fassaden rekonstruiert wurden, wurde das Knochenhaueramtshaus ab 1986 im traditionellen Stil rekonstruiert. Hierzu wurden 400 Kubikmeter Eichenholz verbaut und über 4.300 Verbindungen mit ca. 7.500 Holznägeln hergestellt. Die originale Dekoration der Windbretter auf der dem Marktplatz abgewandten Nordseite war nicht genau dokumentiert und konnte daher nicht rekonstruiert werden. Sie wurden stattdessen mit modernen Malereien besetzt, die Krieg und Zerstörung versinnbildlichen.
Heute beherbergt das Gebäude unter anderem das Hildesheimer Stadtmuseum. In einer Umfrage des NDR 2006 wurde es von den Zuschauern als schönstes der „100 schönsten Gebäude“ im Sendegebiet gewählt.

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