“Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die
Kirche besucht,
irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage
geht.”
Albert Schweitzer, 14.01.1875 - 04.09.196 dt. Arzt und
evang. Theologe
Der früheste Kirchbau mit dem Patrozinium des
Apostels Andreas
war eine schlichte vorromanische Kapelle, deren Existenz schon
für
das Todesjahr Bischof Bernwards 1022 angenommen wird. Bischof Godehard
wurde hier nach seinem Tod 1038 für die Trauerbekundung des
Volkes
aufgebahrt.
In romanischer Zeit verlagerte sich das Zentrum der Markt- und
Handwerkersiedlung aus der feuchten Niederung zwischen Domburg und
Michaeliskirche („Alter Markt“) hierher, und die
Kapelle
wurde durch eine romanische Kirche mit mächtigem Westwerk
ersetzt.
Der Bau der gotischen Kirche wurde, unter Einbeziehung des romanischen
Westwerks und Beibehaltung des basilikalen Querschnitts, Ende des 14.
Jahrhunderts begonnen, der Chor 1389, das nördliche
Seitenschiff
1404, der Turm 1503. 1504 wurde das Langhaus mit den Seitenschiffen bis
an den Turm herangeführt. Der Turm erreichte jedoch erst 1883
seine endgültige Höhe, vorher ragte er kaum
über den
Rest des Gebäudes hinaus. Der Innenraum erinnert mit
Chorumgang
und Kapellenkranz im Osten an französische Kathedralen.
Wie die Marktkirchen in vielen anderen deutschen
Bischofsstädten
repräsentierte St. Andreas im Hochmittelalter das
bürgerliche
Selbstbewusstsein gegenüber der landesherrlichen Gewalt des
Bischofs (Hochstift), die sich im Dom darstellte. In der
Reformationszeit verband sich dieser alte Machtgegensatz mit der
religiösen Frage. Folgerichtig war St. Andreas 1542 die erste
Kirche Hildesheims, in der lutherisch gepredigt wurde und von wo aus
Johannes Bugenhagen die neue evangelische Kirchenordnung
einführte. Daran erinnert seit 1995 ein Brunnen-Denkmal von
Ulrich
Henn auf dem südlichen Vorplatz der Kirche.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Andreaskirche bei einem Luftangriff am
22. Februar 1945 an mehreren Fenstern beschädigt. Beim
schwersten
Luftangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 brannte sie
völlig aus, nur die schwer angeschlagenen Umfassungsmauern und
der
Turm blieben stehen. Abgesehen vom Dom wurde keine andere Kirche in
Hildesheim so stark beschädigt wie St. Andreas. In den
1950er-Jahren wurde sie annähernd originalgetreu wieder
aufgebaut.
In der Basilika befindet sich eine der größten und
schönsten Orgeln Norddeutschlands, ein Werk der Firma
Beckerath,
mit nunmehr 64 Registern und 4734 Pfeifen, der der mächtige
Kirchenraum ein ungewöhnliches Klangvolumen verleiht.
Regelmäßig finden Orgel- und Chorkonzerte statt.